Einleitung

http://www.mas.h-da.de/hoerbuchforschung
(17.05.12)
Wenn diese Lampe leuchtet, herrscht auf der anderen Seite der Tür höchste Konzentration.

Wenn diese Lampe leuchtet, herrscht auf der anderen Seite der Tür höchste Konzentration.

Diese Website ist momentan noch “Work in Progress”. Sie ist das Ergebnis des Forschungsprojekts “Hörbücher und Podcasting für Bildungszwecke”, das wir vom Sommer 2007 bis 2009/10 an der Hochschule Darmstadt durchführten. In die Website werden künftig weitere Auswertungen des Projekts einfließen.

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Das Team
Kurzdarstellung des Forschungsprojekts

Auf dem Weg zu einer audiomedialen Produktionsästhetik

Über Buchstaben stolpern, die Wörter im Satz falsch betonen, an den unmöglichsten Stellen nach Luft schnappen, zu leise oder zu laut oder zu langsam sprechen, die Stimme „oben“ lassen, obwohl der Satz eigentlich zu Ende ist, den Text runterrasseln, ohne ihn genau zu verstehen… Jeder, der selbst einmal versucht hat, einen anspruchsvollen Text vorzulesen, hat erfahren, was man dabei alles falsch machen kann. Dabei ist das Vortragen eines Texts überall dort, wo es um Wissen, Bildung und Kultur geht, eine traditionsreiche und unerlässliche Form der Vermittlung. Kommt ein Text nicht verständlich und überzeugend `rüber, verpufft der Inhalt, und nicht wenige Hörer sehen sich in ihrer Ansicht bestätigt, Zuhören sei eben nun mal schwierig. und auditive Darbietungen seien den visuellen Medien unterlegen.

Parallel dazu die Erfahrung unseres Lehrstuhls: Zuweilen werden wir eingeladen, unser Know-How zur Verfügung zu stellen und für Unternehmen, Forschungseinrichtungen oder Kulturinstitutionen ein Hörbuch zu produzieren. „Können Sie uns einen guten Schauspieler nennen?“, heißt es da oft, und ebenso oft: „Können wir Ihr Studio benutzen und haben Sie einen Studenten, der die Aufnahme technisch betreut?“. – Darin erschöpfen sich dann bereits die Anforderungen an professionelle Qualität. Unsere Hinweise darauf, daß sich die Qualität eines Hörbuchs durch Schauspieler und Studio nur zu einem kleinen Teil sichern läßt, daß der Kern der Qualitätssicherung bei Wortproduktionen, von der Prä- bis zur Post-Production,  ganz besonders in einer redaktionell rückgebundenen, qualifizierten Regie liegt, ist kaum bekannt.

Unser Forschungsprojekt ist mit dem Ziel angetreten, das Bewußtsein dafür schärfen, die qualitative Notwendigkeit der Regie zu begründen und herzuleiten und die gewonnenen Erkenntnisse in die Praxis zu überführen. Dies mit dem Ziel, Hörbücher mit mehr Qualität und Wirksamkeit auszustatten, den Genuß und Erkenntnisreichtum des Zuhörens zu vertiefen und damit das Hörbuch nachhaltig auf dem Markt wie im Kulturbetrieb zu positionieren.

Mit der Systematik der Kriterienbildung und der Entwicklung einer qualitätsorientierten Produktionsmethodologie für Sachhörbücher betreten wir Neuland. Eine Fachliteratur im eigentlichen Sinne des Wortes gibt es auf diesem Gebiet nicht, statt dessen journalistische Kritiken und gelegentliche Essays in Branchenzeitschriften1. In diesen stellen sich vor allem geschmacksbasierte oder intuitive Wertungen oder Kriterien dar, Ratschläge, Regeln und qualitative Prüfsteine. Dabei fehlt es jedoch an Systematik und Begründung, so dass der bisherige Hörbuchdiskurs keine Reflexionsgrundlage dafür bietet, die Regeln – je nach gestalterischer Absicht – zu priorisieren, einzuordnen und gegeneinander zu wägen.

Unsere bisherigen Erkenntnisse hierzu werden wir ausweiten und auch auf andere audiomediale Gestaltungsformen übertragen. Das bisher Gewonnene läßt sich bereits zu einem erheblichen Teil auch auf literarisch-fiktive Hörbuchproduktionen beziehen.

Was wir hiermit vorlegen wollen, soll als ein grundlegender Bausteine einer umfassenden audiomedialen Produktionsästhetik fungieren, an deren Herleitung und Umsetzung wir  derzeit weiterforschen.

Thematischer Ausgangspunkt des Forschungsprojekts

Daß Menschen sich trotz der Dominanz visueller Medien bewußt fürs Zuhören entscheiden: auf dieser Grundlage existieren das Medium Hörbuch und der Hörbuchmarkt. Inzwischen rund anderthalb Jahrzehnte jung, mit ständigen Zuwachsraten im zweistelligen Bereich, ist das Hörbuch eine mediale Erfolgsstory, die der Branche ständig wachsende Umsätze beschert und der auditiven Vermittlung von Inhalten einen zunehmende gesellschaftliche Aufwertung verschafft. Der Markt selbst ist mit geschätzten über 500 Hörbuchverlagen unübersichtlich. Neben zahlreichen etablierten Verlagen oder auch kleinen engagierten Labels gibt es im Bereich Hörbuch inzwischen auch eine nicht geringe „Cottage Home Industry“, dank leicht verfügbarer Audio-Digitaltechnik.

Doch produzieren, im Windschatten des Booms, nicht nur die inzwischen zahlreichen „Küchenlabels“ so manchen qualitativ zweifelhaften Schnellschuß, der bei geringem finanziellem Einsatz schnelle Umsatzerfolge verspricht. Vor allem (aber nicht nur) im Bereich der Sachtext-Audio-Produktion steht hochqualitativ Realisiertes neben hörbar schnell und sorglos Aufgenommenem. Störende Nebengeräusche, schlechter Raumklang, dilettantische Schnitte, fehlende Regiekonzepte, unkonzentrierte Sprecher und die gesamte Palette der eingangs genannten möglichen Fehler sind da zu hören und machen deutlich, daß das ein oder andere Hörbuch mal eben auf die Schnelle eingesprochen wurde. Das jeweilige Resultat ist dann oft genug spannungslos, inkompetent und laienhaft. Mag sein, dass man mit der ein oder anderen Produktion trotzdem einen guten Umsatz macht, weil Thema oder Sprecher sich zunächst gut verkaufen.

Als überzeugende Beispiele für die Kraft des Auditiven, als nachhaltiger Anreiz zum Zuhören taugen derartige Produktionen indes nicht. Dies stimmt nicht nur aus kulturkritischer Perspektive bedenklich, sondern auch aus Sicht der Hörbuch-Branche. Zuhören als Voraussetzung für die Konsumption und kommerzielle Akzeptanz von Hörbüchern, verlangt – neben der Entwicklung und Pflege der Hörkultur – Hörenswürdigkeit als Anreiz.

An diesem Punkt setzt das vorliegende Forschungsprojekt an. Es geht dabei vor allem um zwei Problemstellungen, eine pragmatische und einen kulturelle: Das Vorhaben möchte – zunächst im Bereich der Sachtexte – die Produktion von Hörbüchern fördern, professionalisieren, deren Qualität optimieren, indem es Gütekriterien feststellt, beschreibt und systematisiert. Dies in Hinblick auf die zwei zentralen Faktoren einer erfolgreichen Produktion: nämlich die Stimme und deren Führung – oder anders ausgedrückt anhand von Sprecher/in und Regie. 2

Abschließend soll exemplarisch, zur Veröffentlichung der gewonnenen Erkenntnisse, eine Online-Distributionsmodell auf der Grundlage der studentischen Produktionen entwickelt werden.

Indem die Bewegung vom Beschreiben zur Realisation bis hin zur Verfügbarmachung beschrieben, analysiert, umgesetzt und wiederum analysiert wird, sollen auch Bausteine eines systematischen kulturwissenschaftlichen Diskurses über Audiomedien und ihre Produktionsästhetik identifiziert werden. Im Gegensatz zu den hochentwickelten Diskursen über die Bildersprache, die filmische Produktionsästhetik oder die visuelle Semiotik stehen derartige systematische Betrachtungen für den Bereich  des auditive Gestalteten immer noch aus. Damit reiht sich das vorliegende Forschungsprojekt in die neue akademische Disziplin der „Sound Studies“ ein.

Wir haben uns aus zweierlei Gründen  auf den Gegenstand Sach-Hörbuch beschränkt: Zum einen, weil es uns hier leichter fällt, die intendierte Wirkung der Produktion, nämlich die Qualität der nachhaltige Vermittlung eines Sachverhalts, zu bewerten. Zum anderen aus pragmatischen Gründen: Weil der Anteil der Sach-Hörbücher an der Gesamtproduktion der Hörbücher in Deutschland einen geschätzten Anteil zwischen 7-10% einnimmt, also recht übersichtlich ist.

Somit war es uns möglich, im Forschungszeitraum ein „Genre“ nahezu in seiner Gesamtheit zu betrachten. Als  dritter Grund soll hier angeführt werden, das der vermittelnde Anspruch von Sach-Hörbüchern der klassischen mündlichen Vermittlung an Hochschulen nahesteht, nämlich der Vorlesung. Erkenntnisse, die wir im Bereich des Sach-Hörbuchs gewinnen, lassen sich also in hohem Maße auf  die erfolgreiche Produktion von Vorlesungsmitschnitten oder auditiven Sachtext-Produktionen anwenden. Hier auf eine gute Qualität der inhaltlichen und sprecherischen Vermittlung zu achten, wird im anbrechenden Zeitalter von Blended Learning und E-Learning immer wichtiger.

Ausgehend vom Forschungsgegenstand, dem Sach-Hörbuch, hakt unser Projekt an der Vermittlung ein, die ja das Ziel eines jeden Sachtexts sein muß: Wo muß Gestaltung ansetzen, damit die Produktion und Vermittlung von Sinn und Inhalt funktionieren? – Am sach- und fachgerechten Einsatz der Sprecherstimme und ihrer Führung.

Wir haben dafür ca. 90 Sach-Hörbücher auf ihre produktionsästhetische Qualität hin ausgewertet.

Mehr dazu:
Kurzdarstellung des Forschungsprojekts
Artikel und Vorträge
Presse

1vgl.: Simon Colin, Mit Qualität im Hörbuch Maßstäbe setzen, in: Buchreport spezial: Hörbuch, Dortmund 2009, S. 24 ff.
2fehlt noch.